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Zwischen Maisfeldern und Wolkenkratzern

Wer die Ostküste der USA besucht, sollte zwei Dinge haben: Zeit und Geld. Schließlich umfasst das Gebiet ein Areal, das von Florida bis an die Kanadische Küste reicht. Am interessantesten jedoch ist der Abschnitt zwischen Washington und Neuengland. Hier reihen sich die Großstädte wie Perlen auf eine lange Kette: Washington, Baltimore, Philadelphia, Jersey City und New York und schließlich Boston. Dazwischen erstreckt sich immer wieder die uramerikanische Landschaft zwischen Highways und Maisfeldern. Ein Paradies für Leute, die etwas erleben wollen. Um dieses immer noch gigantische Gebiet zu erkunden, bieten sich drei Arten der Fortbewegung an: Bus, Bahn und Mietwagen. Je nach Geldbeutel kann man sich die entsprechende Flexibilität erkaufen.




Washington ist die Administrations-Metropole, von der aus die halbe Welt regiert wird. Die berühmtesten „Sights“ liegen alle auf einer Sichtachse, angefangen beim Capitol, das über allem wie eine Glucke thront. Davor erstreckt sich ein langer künstlicher Teich, der die Sichtachse auf eine Art Allee lenkt. Deren Seiten werden gesäumt vom Smithonian Museum – ein hochinteressantes Museum für alle Technikbegeisterten – und allerlei Verwaltungsgebäuden. Es folgt das bekannte Washington Memorial, das weniger spektakulär ist, als man oft denkt. Wer sich auf dieser leichten Erhebung umsieht, stellt schnell fest, dass Washington keine typische amerikanische Großstadt ist – keine Wolkenkratzer und keine parallel verlaufenden Straßen; fast etwas gemütlich. Man entdeckt nach etwas Suchen im Bewuchs der vielen Parks sehr versteckt das Weiße Haus. Da gibt es für den normalen Touristen nicht viel zu sehen. Ein langer Zaun umspannt das Gelände, das in South Lawn und North Lawn unterteilt ist. Am North Lawn geben sich die politischen Aktivisten die Klinke in die Hand, mitunter sehr skurrile Typen. Ansonsten hat Washington diverse Memorials zu bieten, die man zu Genüge aus dem Fernsehen kennt. Man muss es aber gesehen haben.

Interessanter wird die Reise in Richtung Norden. Baltimore kann man ohne Gewissensbisse links liegen lassen. Außer einem spektakulären Riesen-Aquarium hat die Stadt wenige interessante Seiten. Anders ist das in Philadelphia. Hier in Philly, wie die Einheimischen ihre Stadt nennen, liegt die Wiege der amerikanischen Demokratie. Die Stadt war während der Wirren des Unabhängigkeitskrieges 10 Jahre lang Hauptstadt der noch jungen Nation. Auch die Unabhängigkeitserklärung wurde hier unterzeichnet. Den historischen Raum, wo schon George Washington saß, kann man in der „Independance Hall“ besichtigen. Der Eintritt ist zwar kostenlos, doch wegen der Sicherheitsvorkehrungen sollte man einige Zeit mitbringen. Vor allem für Geschichtsinteressierte hat die Stadt noch allerhand mehr auf Lager, z.B. das Wohnhaus von Betsy Ross, der Urheberin der amerikanischen Flagge, oder das Rathaus, das nach früheren, längst überholten Bauvorschriften das höchste Gebäude in der Stadt war. Kulturell gibt es ebenfalls eine Menge zu erleben. Die meisten Klubs, Bars und Restaurants haben sich entlang der South Street angesiedelt. Hier fühlt man regelrecht das „coole“, echt amerikanische Flair, getragen von Party, Kunst und dem kulturellen Schmelztiegel dieser Millionenstadt am Schuylkill River. In der imposanten Bahnhofshalle sind übrigens diverse Szenen der Rocky-Filme entstanden.

Der Osten der USA

Der Osten der USA ©iStockphoto/KeithBriley

Folgt man der Interstate 76 in Richtung Nordosten, zieht es einen in die amerikanische Provinz. Maisfelder, breite Straßen, Dodge-Trucks und riesige Shopping-Malls auf der grünen Wiese prägen hier die Landschaft. Der Film „Signs“ wurde in dieser Gegend – in Bucks County – etwa 70 km vor Philadelphia gedreht. In King of Prussia kann man eine der größten Shopping-Malls der Welt bestaunen, inklusive Helikopter-Landeplatz für wohlhabende Kunden, die zum Nachmittagseinkauf aus Großbritannien über den Flughafen Philadelphia anreisen. Außerdem ist diese Region – für amerikanische Verhältnisse – gespickt von Geschichte. In Valley Forge, nahe King of Prussia, befindet sich ein nachgebildetes Militärlager des Unabhängigkeitskrieges. Da spürt man regelrecht den Hauch der Geschichte. Typisch für diese Region sind die Amish-People, eine ursprünglich deutsche Religionsgemeinde, die auf Elektrizität verzichtet und viel Wert auf Tradition legt. Die Amish sprechen einen urtümlichen badischen Dialekt. Ein skurriles Bild geben sie in ihren Kutschen und Trachtenkleidern ab, wenn sie vorm Supermarkt um die Ecke „parken“.

Weiter nördlich sollte die Reise natürlich nach New York führen. Der Big Apple und seine Eigenarten, die man aus dem Fernsehen kennt, sind immer eine Reise wert. Viel Zeit sollte man auf jeden Fall einplanen. Falls das nicht möglich ist, ist ein Besuch am Samstag empfehlenswert, denn da ist New York „nur“ so geschäftig, wie jede andere Großstadt auch. Für Fans von New York ist übrigens ein Abstecher nach Chicago interessant. Beide Städte sind sich in vielen Dingen ähnlich. In Chicago sollte man unbedingt eine Fahrt auf das nunmehr höchste Gebäude der USA, den Sears-Tower, unternehmen. Der Eintritt ist mit etwa 10 Dollar durchaus erschwinglich und die Aussicht atemberaubend!

Boston ist die alte Dame der USA. Diese Großstadt in Neuengland ist europäischen Metropolen so ähnlich, wie keine andere amerikanische Stadt. Die Straßen verlaufen meist kreuz und quer, anstatt dem typischen Quadratmuster zu folgen. Einige historische Sehenswürdigkeiten gibt es ebenfalls. Ein Muss sind die so genannten Duck Tours. Diese Stadtrundfahrten mit ausgemusterten Amphibienfahrzeugen des D-Days im Zweiten Weltkrieg sind zwar nicht ganz billig, lohnen aber, da man sonst keinen so schönen Blick auf Boston hat – mal von Wasser, mal von Land aus gesehen. Die nähere Umgebung Bostons entführt einen in die Zeit der Puritaner, z.B. in Salem im Norden oder auf Cape Cod östlich der Stadt. Letzteres beherbergt eine Replik der „Mayflower“, mit der die ersten Siedler dieser Gegend 1620 die Küste erreichten.

Alles in allem ist die Ostküste eine Spielwiese für Abenteurer. Kunst und Kommerz, Natur und Industrie sind hier sehr dicht geballt. Vor allem das besondere Flair und das kosmopolitische Leben, das von den Metropolen ausgeht, lassen eine Reise in diese Region unvergesslich werden. Versprochen!

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