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Maryland

Marylands Vergangenheit wurde von zwei großen Familien maßgeblich geprägt: den Calverts und den Crosslands. Sie waren die ersten Landbesitzer, ihre Familienbanner finden sich in der Staatsflagge wieder und ihnen ist die Mason-Dixon-Linie zu verdanken, die die Nordstaaten offiziell von den Südstaaten trennte. Von letzterem rührt auch der Beiname Marylands, „The Old Line State“, den der Staat aber nie offiziell anerkannte. Ähnlich verhält es sich mit seinem zweiten Beinamen, „Free State“, der aus der Zeit der Prohibition stammt. Auch er wurde nie zum offiziellen Beinamen durch Maryland selbst gekürt.




Maryland ist ein Staat der Gegensätze: hier gibt es die Metropolregion Baltimore, zugleich aber auch beschauliche Fischerdörfer, die Appalachen und die flachen, sandigen Strände der Chesapeake Bay. Inoffiziell nennt man Maryland aufgrund seiner topografischen Vielfalt auch „Amerika in Miniatur“.

Der Nähe zum Regierungssitz Washington D.C. ist die relativ hohe Bevölkerungsdichte im Osten des Staates zu verdanken. Hier leben vorrangig Regierungsbeamte, die in D.C. arbeiten. Aber auch in anderen Teilen des Staates ist die Nähe zum Machtzentrum spürbar: in Annapolis, der Hauptstadt Marylands, befindet sich die Marineakademie, Baltimore beherbergt mehrere Hochsicherheitsgefängnisse und einen der wichtigsten amerikanischen Häfen und Fort Meade 32 km nordöstlich von D.C. ist der Sitz des größten und finanziell am besten ausgestatteten Nachrichtendienstes der Welt, der National Security Agency (NSA).

Aber Maryland ist nicht nur von Politik geprägt. Auch hier blüht Kunst und Kultur, Musik und Theater. Und auch dieser Staat ist die Heimat einiger international erfolgreicher Künstler wie Toni Braxton, David Hasselhoff, Nora Roberts oder Frank Zappa. Übrigens: wenn Sie Wert auf Ruhe und Erholung legen, sollten Sie die Strände Marylands vor allem zwischen Mitte Mai und Mitte Juni meiden. Dann nämlich ist dort „Senior Week“: vor allem in der Gegend um Ocean City feiern High School Absolventen aus Maryland, Virginia, Delaware und Pennsylvania mit ihren Freunden den Abschluss ihrer Schulzeit. Zu dieser Tradition gehören auch Szenen, wie man sie eher vom studentischen Spring Break kennt. Und wussten Sie eigentlich schon, dass die Staatshymne „Maryland, My Maryland“ zur Melodie von „Oh Tannenbaum“ gesungen wird?

Maryland

Maryland ©iStockphoto/SeanPavonePhoto

Maryland Geographie

Genau in der Mitte der Ostküste liegt Maryland, das durch die sich tief ins Land hinein schneidende Chesapeake Bay charakterisiert wird. An der Bay, die den Staat beinahe halbiert, liegen die größten Ortschaften des Staates, Baltimore und Annapolis, die beide über wichtige Häfen verfügen. Lange Zeit war die Bucht von Chesapeake einer der ertragreichsten Fischgründe der Welt. Aufgrund von Wasserverschmutzung und Überfischung sind die Austerbänke, für die die Region so bekannt war, aber fast verschwunden.

Maryland ist 32.135 km² groß und damit etwas kleiner als Nordrhein-Westfalen. 3,1 Prozent des Landes sind Eigentum der Zentralregierung. Im Norden befindet sich Pennsylvania, im Westen West Virginia. Im Osten grenzt Maryland an Delaware und den Atlantischen Ozean. Jenseits des Potomac im Süden liegen West Virginia und Virginia. In Maryland findet man fünf ganz unterschiedliche geografische Regionen: die atlantische Küstenebene, die Blue Ridge Region, das Piedmont Plateau, die Valley and Ridge Region und das Allegheny-Gebirge, das zu den Appalachen gehört. Hier befindet sich auch der höchste Punkt Marylands, der 1024 Meter hohe Hoye Crest. Alle geografischen Regionen finden in den Nachbarstaaten ihre Fortsetzung.

Die Atlantikküste Marylands ist lediglich 50 Kilometer lang, beherbergt auf dieser kurzen Distanz aber unzählige Seevögel, Seefische, Dünen , Wattlandschaften und Sandstrände. Aber auch außerhalb der Küstenregion trifft man im „Old Line State“ immer wieder auf Wasser. Sage und schreibe 90 Flüsse durchfließen den Staat. Die größten von ihnen sind der Potomac und der Susquehanna.
Die Temperaturen in Maryland sind ganzjährig vergleichsweise mild und ausgeglichen. Schneefall ist lediglich in den höheren Bergregionen und dort auch nur an einigen wenigen Tagen des Jahres zu verzeichnen.

Maryland Geschichte

Das Gebiet der heutigen Staaten Maryland und Delaware war im 17. Jahrhundert Eigentum von George Calvert, 1. Baron von Baltimore. Es war ein Geschenk des englischen Königs Karl I., das er zu Ehren dessen Frau Henrietta Maria Maryland nannte. Lord Baltimore war Katholik und fürchtete im England des 17. Jahrhunderts um seine Glaubensfreiheit. Deshalb unternahmen seine Söhne eine Expedition in das unbekannte, aber eigene Land, um dort 1634 eine Kolonie, Saint Mary’s, zu gründen.

Die anfänglichen Beziehungen zu den bereits dort lebenden Indianern gestalteten sich freundschaftlich. Allerdings gab es unter den Siedlern Streit aufgrund von Autoritätsfragen.

Seit der englischen Revolution 1642 kamen immer mehr Puritaner nach Maryland, die bald eine Mehrheit im Gebiet bildeten. Die Auseinandersetzungen zwischen Gouverneur Calvert und seinem Widersacher Claibourne endeten 1652 mit einer Landabtretung und Gesetzen gegen Katholiken, was einen Bürgerkrieg auslöste. Erst mit Hilfe des Lord Protectors Oliver Cromwell konnte Lord Baltimore seine Macht im Land wieder herstellen. Aber seine undemokratische und prokatholische Politik stieß schnell auf Kritiker und Unzufriedenheit.

Calvert hatte keine glückliche Hand beim Regieren: bis 1685 stritt er mit William Penn um die Grenze zum heutigen Delaware. Die Streitigkeiten wurden zugunsten Penns beigelegt. Calverts Eigentümerschaft war spätestens im Jahr 1692 gescheitert, als Maryland englische Kronkolonie mit anglikanischer Staatskirche wurde. Erst als die Familie 1715 zum Anglikanismus übertrat (was sie ja in England hatten vermeiden wollten, deshalb waren sie ausgewandert), erhielten sie ihre Rechte zurück.
Vor dem Unabhängigkeitskrieg formierte sich in Maryland der Widerstand gegen die britische Kolonialpolitik. Nach Einführung der Teesteuer 1774 zündeten einige Patrioten sogar ein mit Tee beladenes englisches Schiff an. Nach der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung gab sich Maryland 1781 eine eigene Verfassung.

Maryland gehörte zu den Sklaven haltenden Staaten. Der Staat blieb weiterhin Mitglied in der Union, viele seiner Bürger traten jedoch der Südstaatenarmee bei. Die einzige bedeutende Auseinandersetzung fand 1862 in der Nähe von Sharpsburg statt.

Maryland war wirtschaftlich schon immer sehr erfolgreich gewesen. Nach dem Abbau von Kohle und der Fischerei wandelte sich die Wirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert, die Industrialisierung begann. Aber auch jetzt konnte Maryland ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum erzielen, das lediglich von den beiden Weltkriegen unterbrochen wurde. Gesichert wurde dieser Erfolg durch die Ausweitung und Verbesserung der Verkehrswege, sozialer Einrichtungen und des Bildungswesens. Als Maryland in den 1970er Jahren zum Zentrum für Raumfahrt und Technologie avancierte, katapultierte es sich endgültig in die Riege der erfolgreichsten Staaten der USA. Mit einem durchschnittlichen Einkommen von über 65.000$ pro Haushalt ist Maryland auch heute der reichste Staat der USA. Ein Großteil der Erwerbstätigen arbeitet für eine Bundesbehörde.

Maryland Sehenswürdigkeiten

Einer der größten Anziehungspunkte Marylands ist die Chesapeake Bay, die Maryland beinahe teilt. Hier gibt es nichts, was man am Meer nicht machen könnte. Besonders beliebt sind die Küstenorte Ocean City und Assateague Island, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Ocean City ist ein typischer Strand-Ferienort, einem Vergnügungspark ähnlich und vor allem in den Frühjahrsferien (Spring Break), nach dem Ende der High School im Mai/Juni (Senior Week) und im Sommer total überlaufen. Wer es etwas ruhiger mag, kann den Trubel in Ocean City auch umgehen und in eines der kleineren Seebäder wie etwa St. Michels fahren. Übrigens: nach wie vor ist die Region bekannt für seine Krabben-, Muschel- und Austerngerichte.

Assateague Island mit dem Assateague Island National Seashore ist dagegen die Heimat unzähliger Seevögel und anderer Küstenbewohner. Hier findet man eher unberührte Strände und Marschlandschaften. Auch sehr sehenswert: das Blackwater National Wildlife Refuge. Hier ist das Zuhause vieler bedrohter Vogel-, Amphibien- und Reptilienarten. Naturfreunde kommen aber auch außerhalb der Küstenregion auf ihre Kosten. Dank der sehr unterschiedlichen Landschaften und vielen Gewässer im Staat sind Angeln, Segeln, Schwimmen, Wandern oder jagen praktisch überall möglich. Sehr beliebt bei Campern, Jägern und auch Familien mit Kindern ist beispielsweise der Deep Creek Lake, der größte See Marylands. Mit etwas glück kann man hier auch Schwarzbären entdecken und ganz in der Nähe befindet sich das Wisp Skigebiet, das einzige Skigebiet Marylands.

Keine Angst, auch wer keine Wasserratte ist, kommt in Maryland auf seine Kosten, Überall im Land verstreut findet man historische Stätten, die viele interessante Geschichten aus Marylands Vergangenheit erzählen. Port Tobacco oder Towson sind zum Beispiel unter anderem auch wegen ihrer eindrucksvollen historischen Gebäude im ganzen Staat bekannt.

Wer genug hat von all der Natur, dem Wandern oder Fischen, kann in Annapolis oder Baltimore auf Entdeckungsreise gehen. Annapolis, die Hauptstadt von Maryland, bietet neben der Marineakademie zum Beispiel auch Sehenswürdigkeiten wie das State House, das älteste Parlamentsgebäude der USA. Mehr über die Metropole Baltimore erfahren Sie übrigens gleich im Anschluss in einem kleinen Special.

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